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Frankfurt (Oder)

Das Europe Direct Informationszentrum Frankfurt (Oder) befindet sich in einer Stadt, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs stets Grenzstadt war. Der Grenzfluss Oder bildete zunächst die Landesgrenze der Deutschen Demokratischen Republik zu Polen und wurde mit der Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland am 3. Oktober 1990 zu einer Außengrenze der Europäischen Union. Mit der EU-Osterweiterung im Jahr 2004 wandelte sie sich zur EU-Binnengrenze.

Seit 1992, fast so lang wie es das vereinte Deutschland gibt, befindet sich in Frankfurt (Oder) ein EU-Infopunkt. Die seit 1993 bestehende Euroregion PRO EUROPA VIADRINA, hat es sich von Beginn an zur Aufgabe gemacht den europäischen Gedanken im grenznahen Raum zu stärken. Sie fungiert mit dem deutschen Trägerverein der Euroregion – dem Mittlere Oder e.V. - seit 1995 auch als Träger eines EU-Infopunktes. Als im Jahr 2005 das Europe Direct Informationsnetzwerk von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen wurde, gehörte auch das EDIC Frankfurt (Oder) dazu und ist bestrebt vom Stadtrand Berlin bis über die Bundesgrenze hinaus zur Stärkung des europäischen Bewusstseins beizutragen.

Heute ist die Grenze zwischen Deutschland und Polen keine, die Menschen voneinander trennt, sondern eine, die verbindet. Die z.B. in der Euroregion PRO EUROPA VIADRINA lebenden Menschen bewegen sich frei in beiden Ländern und erfreuen sich der Freizügigkeit. Es bestehen unzählige Kooperationen zwischen deutschen und polnischen Institutionen und Vereinen, es wird gemeinsam gelernt, gearbeitet, gelehrt und gefeiert. Als eine der größten Städte in der Region und entlang der Oder musste sich Frankfurt (Oder) im Laufe der Zeit immer wieder neu erfinden: sie war einst Hansestadt und Universitätsstadt, diente als Festung im Zweiten Weltkrieg, war Bezirksstadt in der DDR und verlor nach der Wende knapp 30.000 Einwohner. Dennoch schaffte sie es erneut sich neu zu erfinden, als eine Grenzstadt im Herzen Europas, in der die Grenze eine immer geringere Rolle spielt.

 
 

Wisst ihr, ...

dass das Forschungsinstitut IHP (Innovations for High Performance Microelectronics) in Frankfurt (Oder) auf eine langjährige Geschichte zurückblickt? Das Akronym IHP stand bei der Gründung im Jahr 1983 für Institut für Halbleiterphysik. Das Institut gehörte zur Akademie der Wissenschaften der DDR, war international anerkannt und hatte die Aufgabe, wissenschaftliche Grundlagen für die Konstruktion mikroelektronischer Bauelemente zu erarbeiten. Mit dem politischen und wirtschaftlichen Umbruch von 1989 blieb das IHP der Stadt erhalten, positionierte sich jedoch neu in der gesamtdeutschen Forschungslandschaft. Die Forschungsschwerpunkte finden heute ihre Anwendungen in der Telekommunikation, Halbleiter- und Autoindustrie, Luft- und Raumfahrt, Telemedizin sowie Automatisierungstechnik. Das Institut hat sich zu einem europäisch und international anerkannten Kompetenzzentrum für Silizium-Germanium-Technologien entwickelt und beschäftigt etwa 300 Mitarbeiter aus Europa und der Welt.

dass mit insgesamt ca. 600 km Länge der östlichste Radweg Deutschlands durch Frankfurt (Oder) und die Euroregion PRO EUROPA VIADRINA führt? Der Oder-Neiße-Radweg bildet das Rückgrat des Radwegenetzes im deutsch-polnischen Grenzraum. Er beginnt an der Neißequelle in Tschechien und führt dann stromabwärts entlang des Westufers von Lausitzer Neiße und Oder bis ans Stettiner Haff und an dessen West- und Nordufer weiter bis ins Seebad Ahlbeck auf der Insel Usedom. Auf dem Oder-Neiße-Radweg durchquert man alle vier deutsch-polnischen Euroregionen, kann vom Mittelgebirge über naturnahe Flusstäler bis zum Meer typische mitteleuropäische Landschaften erleben und gleich drei Mitgliedsstaaten der EU erkunden: Deutschland, Tschechien und Polen. Auch die Förderung durch die Europäische Union kann entlang des Weges sehr gut nachvollzogen werden – so wurde mit Mitteln des EU-Programms INTERREG die Kennzeichnung des Oder-Neiße-Radweges durch Infotafeln und Hinweisschilder ermöglicht.

dass die Euroregion PRO EUROPA VIADRINA reich an europäischen Schutzgebieten ist? Eines der vielen Beispiele sind die Oderberge-Lebus nördlich von Frankfurt (Oder). Bereits in den 1960er Jahren in ihrer naturschutzfachlichen Bedeutung erkannt, sind sie heute Teil des Naturschutzgebietes Odertal Frankfurt-Lebus mit Pontischen Hängen. Sie beherbergen sogenannte trockene, kalkreiche Sandrasen und Subpannonische Steppen-Trockenrasen, die gem. der europäischen FFH-Richtlinie zu den prioritär zu schützenden Lebensraumtypen zählen. Von März bis Mai blühen hier die bei den Bewohnern und Gästen der Region sehr beliebten Frühlings-Adonisröschen. Ein Stück weiter nördlich auf der östlichen Seite der Oder, befindet sich der Nationalpark Ujście Warty (dt. Warthe-Mündung). Im Park dominieren Auwald, Wiesen- und Weideland, das von zahlreichen alten Flussläufen und Kanälen durchschnitten ist. Bisher wurden im Nationalpark Ujście Warty ca. 270 verschiedene Vogelarten beobachtet. Da hier alljährlich auch Tausende Vögel, insbesondere aus skandinavischen Ländern, überwintern und beobachtet werden können, stellt dieser Nationalpark für Naturliebhaber auch im Winter ein lohnendes Ausflugsziel dar. Beide Gebiete gehören zum Europäischen Netz von Schutzgebieten Natura 2000, welches dem Erhalt von Lebensräumen und Arten innerhalb der Europäischen Union dient.

dass Frankfurt (Oder) ein europäischer Ort des Lehrens und Lernens ist? Die Alma Mater Viadrina begann im Jahr 1506 mit fast 1000 Studenten, der bis dahin höchsten Erstimmatrikulationsziffer einer deutschen Universität. Bis zu ihrer Aufhebung im Jahre 1811 besuchten etwa 70.000, darunter fast 3.000 Studenten aus den östlich gelegenen Ländern, diese Universität. Im Jahr 1991 neu gegründet, kommen an der Europa-Universität Viadrina heute rund 6.500 Studierende aus mehr als 100 Ländern der Welt zusammen. Ab dem Wintersemester 2020 startet die neu gegründete European New School of Digital Studies (ENS) als Kooperationsprojekt der Europa-Universität Viadrina und der Adam Mickiewicz Universität Pozna? mit dem Master of Digital Entrepreneurship. Der Studiengang setzt sich wissenschaftlich mit der digitalen europäischen Gesellschaft auseinander. Die ENS - mit Sitz am Collegium Polonicum in Słubice - wird somit ein neues transdisziplinäres und internationales Forschungsfeld behandeln.

Interview

Name: Heidemarie Langisch
Geboren: Dezember 1946 in Eberswalde (DDR)

Beruflicher Werdegang:
- Lehrerin für die Fächer Deutsch und Geschichte
- Kreisvorsitzende der Pionierorganisation FDJ in Strausberg
- Mitglied des Rates des Kreises für Jugendfragen, Körperkultur und Sport in Strausberg und später in Frankfurt (Oder)
- Mitwirkung beim Aufbau der zentralen Anlaufstelle für Asylsuchende in Eisenhüttenstadt (ab Januar 1991)
- Geschäftsführung des Wohnheims für Asylsuchende in Eisenhüttenstadt
- Geschäftsführung der pewobe gGmbH

Was ist Ihnen vom 3. Oktober 1990 besonders in Erinnerung geblieben?

Ich hab geheult, ich habe am Fernseher gesessen und habe die Feierlichkeiten wirklich heulend verfolgt. Auf der einen Seite habe ich mich als Historiker super gefreut über diese Chance, über diese historische Chance etwas ganz Neues anzufangen. Ich hab in meiner Jugend nie geglaubt, dass ich mal die Pyramiden in Gizeh sehen kann oder dass ich in Österreich Ski laufen kann. Das hatte ich aber auch schon abgeschrieben. Also das war so, ich wusste da ist was Interessantes, aber das werde ich nie sehen. Und jetzt plötzlich hatte ich die Gelegenheit und das war für mich eine riesengroße Genugtuung. [...] Also das war für mich schon eine Grundlage für eine gewisse historische rationale Euphorie, aber ich war genauso zerrissen, weil ich nicht wusste, was mit mir wird. [...] Ich wollte dabei sein, ich wollte etwas tun. Ich wollte aus meiner inneren Zerrissenheit nicht ein Problem machen, das mich zurücknimmt [...], sondern ich wollte eigentlich aus dieser Zerrissenheit raus und wollte etwas Positives für die Gesellschaft tun. [...] Der 3. Oktober war für mich nicht nur ein Tag, da kulminierte zwar alles an diesem einen Tag, aber dieser Prozess, der war ja schon abzusehen ab Sommer, als der Einigungsvertrag unterschrieben wurde. Und da dachte ich: so schnell kann man doch nicht entscheiden, was ist erhaltenswert und was ist entbehrlich oder muss weg.

Wann haben Sie sich zum ersten Mal als Teil der europäischen Gemeinschaft gefühlt?

Also ich hatte nie das Gefühl ich bin nur Deutsche, muss ich ganz ehrlich sagen. Viele haben gesagt mit der Einigung war die Reisefreiheit verbunden, ich bin aber auch schon vorher viel herumgereist. Natürlich nur in den Teil der Welt, der uns damals zur Verfügung stand, aber das war schon eine ganze Menge. Ich habe alle osteuropäischen Länder besucht und hab das auch sehr genossen andere Kulturen kennenzulernen. [...] Diese Verbindung das Deutschsein auf Europa auszuweiten, war für mich nicht schwer. Ich habe in meiner Funktion im Rat der Stadt geholfen die Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Nîmes zu organisieren und mit Vantaa, der finnischen Partnerstadt von Frankfurt. Das waren ja beides Städte, die bereits vor der Wende Partnerstädte waren, obwohl sie nicht zum sozialistischen Lager gehörten. Die Grenzen von Deutschland waren für mich nie verbindliche Grenzen, zumal ich die Geschichte der EU mit der Vorgänger-EG auch mit deren Zielen, also im Nachkriegseuropa keinen Krieg mehr zuzulassen, verbunden war und konnte diese Ziele auch nachvollziehen, obwohl ich natürlich auch viele historische Prozesse beobachtet hatte, die mit diesen Zielen nicht vereinbar waren. [...] Das war schon ein großes Fest als die Grenzkontrollen wegfielen und Polen mit dazugehörte, das war schon ein Feiertag. Viele, die das damals gar nicht so empfunden hatten, haben jetzt durch Corona erfahren, was es bedeutet, wenn die Grenze zu ist. Ich denke das sollten alle bedenken, wenn sie so leichtfertig darüber reden, dass Europa keinen Sinn hat. [...] Also Europa lohnt sich, dafür zu kämpfen war auch immer eins meiner großen Ziele das jungen Leuten beizubringen!

Was können die neuen Bundesländer in die EU einbringen?

Das ist natürlich schwer zu sagen, weil ja schon eine geraume Zeit seit diesem Einigungstag vergangen ist, in der viele Chancen vertan wurden. [...] Erstmal möchte ich damit anfangen, dass ich denke, dass viele Wertvorstellungen in der DDR durchaus wichtig waren um sie zu erhalten. Also die menschliche Gemeinschaft, die Solidarität untereinander. [...] Auch der Familienzusammenhalt war sehr groß. […] Diese Wertvorstellung, dass auch die Arbeit wichtig ist, dass die Arbeit auch ein Lebenszweck ist und nicht bloß um Geld zu verdienen, dass soziale Sicherheit etwas ganz Wichtiges ist, dass Kinderbetreuung etwas ganz Wichtiges ist, dass Bildung etwas unheimlich Bedeutsames ist. Es wird ja jetzt von vielen anerkannt, dass die DDR ein gut ausgereiftes Bildungssystem hatte.

Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie sich das Leben vor und nach der Wende für Heidemarie Langisch abgespielt hat und wieso die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sie schon immer besonders begeistert hat? Hier geht es zum vollständigen Interview:

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E-Mail: europedirect@euroregion-viadrina.eu

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